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Warum
Warum sind Zeitungen so riesig?
Pas September 8th, 2007
Als ich heute als Klolektüre wie immer eines der genialen Zeit-Magazine nahm, stellte sich mir wie so oft erneut die Frage, warum Zeitungen denn normalerweise so überdimensional groß sind. Deshalb nehme ich ja auch immer das Zeit-Magazin zur Hand, denn die Zeit hat mein Lieblingsressort “Leben” in ein handliches A4-Heft ausgelagert. Aber warum nur das Zeit-Magazin? Gut, es gibt noch die Welt Kompakt oder so, aber ansonsten sieht man immer nur diese riesigen Formate, die nur am Tisch bequem zu lesen sind.Über die Frage habe ich schon mehrmals gegrübelt.
Nun habe ich auch noch eine bekannte Suchmaschine zur Hand genommen und nach folgendem Begriff gesucht: “Warum sind Zeitungen so groß”. 2 Ergebnisse. Einmal ein PDF von der Stuttgarter Zeitung, im Zusammenhang war es da mit ZiSch - Zeitung in der Schule. Am Ende des Artikels sind Fragen aufgelistet, die sich Schüler bei der Lektüre stellen, so auch eben diese Frage… Da hab ich mich gefragt, ob sich nur Schüler diese Frage stellen, schließlich bin ich ja auch einer, aber mein zweiter Fund verwies mich auf das Archiv eines Forums. Da hat jemand die exakt gleiche Frage gestellt.
Da waren manche Gedanken gar nicht so dumm.
Ein Argument ist die Tradition. Zeitungen sind halt so groß und wenn man sie kleiner macht, denkt ja jeder das wäre eine ganz normale Zeitschrift. Das riesige Format macht Zeitungen erst wichtig. So sei es auch so, dass große Formate eher mit seriösen Zeitungen assoziiert werde, vor allem in England, wo die Boulevardblätter traditionell kleinformatiger (oder heißt das kleinerformatig?) sind.
Stimmt schon irgendwie, eine große Zeitung macht was her, aber woher kommt diese Tradition der großen Blätter?
War es früher so, dass die Druckerpressen so riesig waren, dass man keine kleineren Blätter einlegen konnte? Zumindest war es bestimmt ein Problem, die Blätter miteinander zu verbinden. Wenn man so riesige Zeitungsblätter hat kann man die noch lose ineinanderlegen, es gibt ja nicht so viele Schichten. Bei kleineren Blättern hat man mehr Schichten und irgendwann hat man den Bedarf, sie mit Tackerklammern oder sonstwie aneinander zu befestigen, ansonsten hätte man sofort ein riesen Chaos und das jeden Morgen…
Gut, einen technischen Grund haben wir. Und was verrät uns der obligatorische Blick nach Wikipedia?
Irgendwann einmal gab es ja noch keine Zeitungen weil zu teuer oder weil das Volk eh nicht lesen konnte oder so. Aber sogenannte Einblattdrucke gab es schon im 15. Jahrhundert. Da die Eigenschaft “auf nur einem (oder zumindest wenigen) Blatt gedruckt” diese Einblattdrucke ausmachte, waren die Blätter groß, um genügend Platz zu bieten. Weil darauf auch Neuigkeiten gedruckt wurden, die dann weitergegeben oder an irgendeinem schwarzen Brett angeschlagen wurden, sprach man von der Zeitung, was damals schlicht und einfach “Nachricht” hieß. Innerhalb von 2 Jahrhunderten bezeichnete der Begriff schließlich nur noch das Medium, auf dem die “Nachrichten” gedruckt waren.
Diese beiden Gründe sind wahrscheinlich der Auslöser für die Tradition, doch das Riesenformat bringt noch weiter Vorteile.
Der erste ist rein technischer Natur. An jeder Seite muss druckbedingt ein Rand sein (es sei denn bei sehr hochwertigen Verfahren, die zu teuer wären). Der Rand bleibt unbedruckt und somit ungenutzt. Bei wenigen großen Blättern fällt am Ende viel weniger Platzverschwendung an als bei vielen kleinen Seiten. Große Zeitungen schützen also den Regenwald!
Wenn man in die Zeitungen blickt und einem mal wieder eine dieser Großanzeigen wie “Du bist Deutschland” oder “Wir können alles außer Hochdeutsch” ins Auge sticht wird einem ein weiteres Argument geliefert. Die Werbung! In einer kleinen Zeitung kann man nur kleine Werbung machen. Und heutzutage ist eh alles von Werbung bestimmt.
Eine kleine Zeitung im Heftformat kann zudem man nicht so leicht in die Ressorts aufteilen. Wenn ich mir vorstelle, wie mein Bruder und ich uns um die Zeitung gestritten hätten, wenn wir sie nicht hätten auseinander nehmen können. Nur dadurch lebten wir halbwegs friedlich nebeneinander und er konnte seinen Sportteil lesen, während ich andere Dinge las. (Ganz abgesehen davon, dass ich früher nie gern gelesen habe, aber es ging ja ums Prinzip…).
Nicht zu schweigen von den ganzen Gemüse- und Fischhändlern, die die Zeitung nicht mehr als Verpackungsmaterial recyclen könnten, denn so eine Zeitschrift müsste man ja zerreißen, die Fetzen wären zu klein…
Aber irgendwie kann mich kein Argument so richtig überzeugen. Hat alles was, aber eine kleine Zeitung wäre ungleich praktischer weil handlicher. Und ich würde mich sogar bereiterklären, einen Cent Aufpreis für die Tackerklammern zu berappen.
Deshalb, liebe Verlage, bringt doch eine Kompaktzeitung heraus mit gleichem Umfang, nur verteilt auf mehr kleinere Seiten!
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